Nationalismus in Europa

Ich habe mir überlegt, mir vielleicht ein bunt blinkendes Hakenkreuz
zu kaufen und in mein Zimmer zu hängen. Am Ende habe ich mich jetzt aber doch dagegen entschieden, weil meine örtlichen Freunde die deutsch historische Selbstironie wohl nicht verstehen, sondern sich eher über die Geschmacksverirrung eines bunt blinkenden Hindu-Symbols in einem sonst schlichten Zimmer amüsieren würden. Außerdem bin ich mir selber nicht so sicher, was mich an einem fröhlich in mehreren Farben blinkenden Hakenkreuz so grinsen lässt und was das über meinen Humor aussagt.

Ansonsten kann mein Gehirn aber mittlerweile die meisten Eindrücke aus Indien ohne große Verwirrung verarbeiten. Wenn mir jemand auf der Straße entgegen kommt, weiche ich mittlerweile schon nach links aus. Eine Kuh, die sich mitten im Müll einen ihrer vielen Mägen voll schlägt, ist für mich fast normal und inzwischen neige ich auch schon dazu, das ein oder andere Mal selbst unpünktlich zu sein. Und da der Mensch ja ein Gewohnheitstier ist, konnte ich mich jetzt nach einiger Zeit auch an die gewöhnungsbedürftige Fahrweise der Inder gewöhnen…

Ich fühle mich hier wohl und die Welt und der Alltag in Deutschland kommen mir so unwirklich vor. Wie schnell das doch alles geht!

Neben den Hakenkreuzen verwirrt mich aber auch noch ein anderer Umstand. Man stelle sich nur mal vor wir würden in Deutschland jeden Morgen vor der Schule mit ausgestrecktem rechten Arm unsere Nationalhymne singen. Undenkbar! Hier an der Schule ist das aber Alltag! Denn nicht nur die Deutung von Symbolen, sondern auch das Verhältnis zum eigenen Land ist hier in Indien ganz anders…

Da trifft es sich doch gut, dass ich bald in der achten Klasse das Thema „Nationalismus in Europa“ unterrichten darf. Bei diesem Thema kann ich den Unterricht ja allein schon durch meine Herkunft und Perspektive bereichern. Und ich freue mich jetzt schon wahnsinnig, von meinen Schülern auch einen anderen Blickwinkel kennenzulernen. Interessant ist aber auch das dieses Kapitel inhaltlich den ersten und zweiten Weltkrieg behandelt und auf sechs Buchseiten abgehandelt wird. Für die Inder ist nämlich das Ende der Kolonialzeit das größte Ereignis im zwanzigsten Jahrhundert. Das Hitlerbärtchen und sein Träger und die Taten dieses kleinen Mannes büßen daher im Geschichtsbild der Inder deutlich an Wichtigkeit ein. Deutschland ist halt doch nicht der Mittelpunkt der Welt!

 

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