James Bond auf Hindi

  
Ich weiß nicht, ob heute ein historischer Tag in der Geschichte Indiens war, wieder irgendein Gott Geburtstag oder der indische Premierminister Modi ein seltenes Spielzeug in seinem Überraschungsei gefunden hat. Auf jeden Fall war heute Grund zum Feiern in Indien und ich hatte schulfrei.  Deshalb sind wir auf die Idee gekommen, mit dem Motorrad nach Jeypore zu fahren und uns den neuen James Bond anzugucken. Und die Fahrt durch die indische Natur auf einem Motorrad ist immer noch wunderschön. 

Mit Lennard und Lisa, meinen deutschen Mitfreiwilligen und zwei anderen Freunden trafen wir dann leicht verspätet im Kino ein. Der Film hatte gerade angefangen, da es „Langnese Eiscreme“ nicht im indischen Kino gibt, was in Deutschland den Filmstart ja immer noch ein bisschen verzögert.

Die Sessel waren gemütlich und ich verstand nichts. Der Film war ja auch auf Hindi. Und James Bond auf Hindi hat schon etwas „Kaya-Yanareskes“. Es klingt einfach witzig den sehr maskulinen James Bond auf Hindi reden zu hören. Das passte irgendwie nicht. James Bond lebt aber ja ohnehin nicht nur von langen Dialogen, sondern zum großen Teil auch von der Action. Und dafür muss man ja auch kein Hindi können.

Witzig war aber auch, dass der Film ein paar kleine Aussetzer und Sprünge hatte. Immer wenn man ein kleines bisschen Erotik erahnen konnte, wurde die Szene einfach unprofessionell weggeschnitten. Die unbeholfene Schnittweise ließ James Bond auch mal mitten im Satz verstummen. Dies gehört aber anscheinend genauso zum Charme des indischen Kinos, wie einfach mal mitten in einer Szene den Film für eine kurze Pause zu stoppen oder die Abspannmusik schon nach 15 Sekunden auszustellen. Aber am Ende siegte auch auf Hindi der heldenhafte Daniel Craig gegen den bösen Christoph Walz.

Auf unserem Rückweg fühlte ich mich dann ein wenig wie deine Oma, die im Hühnerstall Motorrad fährt. Denn dass die Hupe und die Handbremse nicht funktionierten, hatten wir schon auf dem Hinweg gemerkt. Dass das Licht aber nur reichte, um gesehen zu werden und nicht um selber zu sehen, fiel uns erst in der Dunkelheit auf. So fuhren wir also ohne Bremse, ohne Hupe und ohne Licht nach Hause. Wobei das Bremspedal zum Glück funktionierte… Dazu kam, dass ich mich nach nur 5 Minuten plötzlich wie zuhause fühlte. Mir war kalt. Es kann nämlich nachts in Indien auch locker mal weniger als 15 Grad warm sein. Wenn dann das Tacho stetig mehr als 50km/h anzeigt, sind das gefühlte 5 Grad. Zusätzlich zu den ungewohnt kalten Temperaturen, ließ mir der Kommentar meines Freundes noch kalte Schauer über den Rücken laufen. Er meinte nämlich, er hoffe keinen Bären oder maoistischen Terroristen zu begegneten, die hier nachts ihr Unding treiben. Das hätte man mir mal früher sagen sollen. Aber trotz der geschilderten Umstände kamen wir sicher, aber leicht verfröstelt zu Hause an. Und trotz der gewöhnungsbedürftigen Rückreise muss ich zugeben, dass sich der Trip gelohnt hat.

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Kategorien: Allgemein | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „James Bond auf Hindi

  1. Jörg Tohoff

    Wieder mal ein ganz toller Bericht von Dir.
    Da bin ich aber mehr als froh, dass Euch die Terroristen und die Bären in Ruhe gelassen haben. Hab weiterhin eine so aufregende und erlebnissreiche Zeit in Indien.
    Schöne Grüße
    Dein Papa

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