Fashion- und Schminktipps


Man stelle sich einmal vor, auf den Straßen Orissas wäre jeden Tag eine Modeschau…

…….Dann würde nämlich das heiße Spotlight auf den staubigen Laufsteg fallen. Und dieser Laufsteg ist als Straße inszeniert, auf der sich neben lebenden Kühen auch fahrende Autos und Motorräder als Requisiten bestaunen lassen. Die Models bewegen sich geschmeidig und selbstsicher durch das dargebotene Durcheinander. Sie stehen in perfekter Harmonie zum Chaos, welches den Stress des Alltags künstlerisch abbildet.

Die Lebenskünstler und Modemacher finden sich hier zusammen, um die „Out-Koture“ und den „Casual Look“ der nächsten Jahre zu prägen. Das Publikum ist bunt. Die Mode ist Ausdruck der Gefühle, Ausdruck eines Lebensstils, Ausdruck des eigenen Selbstverständnis. Man will dem hässlichen Gesicht des Alltags den Spiegel vorhalten. Der Stoff auf der Haut ist immer auch eine Reflexion der Umstände, das Verhalten der Models eine laut schreiende Gesellschaftskritik.

Wenn das veraltete Männermodel seiner besseren Hälfte den Vortritt nimmt und die Gattin ihren smaragdgrünen Auswurf gekonnt in einen Graben platziert, werden die Knigge-Regeln hier mit dem dicken Füller des täglichen Lebens umgeschrieben.

Der Look der traditionellen Frau von gestern, heute und morgen bleibt stilsicher der Sari. Es wird auch gerne einmal Haut gezeigt und die weibliche High Society lässt ihre Speckrollen gerne als Statussymbol raushängen. Woanders blitzt alte Haut auf, die sich über schmale Rippen spannt.

Der Magerwahn der Models sieht nicht immer gesund aus. Das Publikum gewöhnt sich aber viel zu schnell an diese Bilder. Auf den schmalen Schultern der männlichen Trendsetter hängen die Hemden wie auf dem Kleiderbügel. „Wer schön sein will muss leiden!“ Das hat hier auch der Mann von heute verstanden. So trägt Mann im Alltag auch bei hohen Temperaturen stets eine lange Hose. Wer es unter der Gürtellinie gerne kuschelig hat, kann durch eine Lungi-Jeans Kombination saunaähnliche Wohlfühlmomente auch im Alltag erleben. Hierbei gelingt der modehistorisch brillante Spagat zwischen eigener Tradition und westlichen Einflüssen mit Leichtigkeit.

Traditionsbewusst zeigen sich einige männliche Modelle aber auch noch heute nur mit Lungi auf dem Catwalk. Der Trend wird hier jedoch mit klaren Linien gezeichnet: Der Lungi wird in die eigenen vier Wände zurückgedrängt. Direkt beweist ein alter Mann scheinbar nebenbei noch einmal die Vorzüge dieser Unterbekleidung, die sich schon bei den Vätern der Väter bewährt hat. Während er lässig mit einer Hand den Stoff hochzieht, gewährt er freihändig seinem Handrang Freilauf. Seine kunstvolle Aufführung geht jedoch im bunten Farbendurcheinander unter und wird nicht beachtet.

Die Trendfarbe für den kommenden Sommer scheint ein staubiges Rotbraun zu sein, dass sämtliche bunte Stoffe dezent einfärbt. Die hippen Marken sind derweil Bugo Hoss, Lionel Messi und Whatsapp oder Facebook. Denn die Beherrscher der Datenautobahnen erobern auch langsam Marktanteile auf der Straße. Denn ein Emblem dieser Internetkonzerne steht für den Westen, die technische Kompetenz der Jugend und für Fernweh nach unbegrenzten Möglichkeiten. Es scheint fast, als würden die Models weniger Facebook bewerben. Facebook bewirbt das Individuum. Daneben jubelt Lionel Messi auf der Brust eines Fashionboys. Er scheint uns anzuschreien. Was will uns Messi damit sagen? Und welchen Lifestyle verkörpert der Junge?

 


Währenddessen scheint das Outfit der kleineren Damen ganz deutlich einem einheitlichen Thema zu folgen. Die bunten und oft pinken Kleider zaubern den Zuschauer in eine Welt, die aussieht wie der Disney-Channel. In dieser Welt ist es erlaubt, dass jedes Mädchen ganz nach Harald Glöckler eine Prinzessin sein darf. Es wird eine heile Welt suggeriert. Doch durch die sporadischen Risse in einigen Märchenkleidern kann man sehen, dass eine andere Welt hinter der scheinbar perfekten Fassade liegt.

 

Als sich die Veranstaltung in den Abendstunden zu ihrem Finale neigt, muss das Publikum verblüfft die Abstinenz sämtlicher Weiblichkeit feststellen. Diese Inszenierung bietet uns erfrischend viel Interpretationsspielraum. Die Kunst überrascht uns halt immer wieder.

Und als es dann dunkel wird, ist der Catwalk plötzlich so leer wie der Gesichtsausdruck von Lukas Podolski. Kein Model ist mehr zu sehen. Die Kühe machen es sich in der Kulisse bequem und die Show ist vorbei…….

Leider gibt es auf diesen staubigen Straßen halt nie eine Modenschau. Man kann nur die Realität bestaunen und auch mal einen Blick auf die Schattenseiten werfen.

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Kategorien: Allgemein | Schlagwörter: | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Fashion- und Schminktipps

  1. Silke Schlünzen

    Lieber Lukas,

    gut beobachtet und gut beschrieben, aber ehrlich: So viele schöne Frauen, wie in Indien gibt es doch nirgends, oder? Und der Sari, das muss man doch auch sagen, ist doch das Kleidungsstück, das auf vornehme Weise immer gut aussieht. Ich hoffe sehr, dass sich die indischen Frauen diese Tracht nicht ausreden lassen. Daran muss ich immer denken, wenn ich deutsche Frauen mit deutlichem Übergewicht in hautengen Leggings sehe …

    Beste Grüße von Dietrich Schneider

    Gefällt 1 Person

    • Oh ja, das stimmt. Der Sari ist einfach top und es gibt so viele schoene Farben. Aber leider steht er mir nicht. Und ausserdem kann ich in einem Sari auch kein Fahrrad fahren…

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