Donald Trump 

Ich wohne jetzt zusammen mit Lennard seit fast zwei Wochen in Mastiput, einem kleinen Dorf neben einem kleinen Fluss. Und auch die Menschen hier sind klein. Naja, wir sind ja auch in Indien…

Wir haben ein kleines Zimmer mit zwei harten Betten. Im Zimmer steht auch noch ein Herd, mein Fahrrad und das Motorrad vom Pastor. Wir wohnen also in einer gemütlichen Wohngarage mit Kochnische. Es ist also überschaubar. Wir haben sogar eine Toilette, während die meisten Dorfbewohner lieber in den Wald gehen, um sich dort im Einklang mit der Natur zu erleichtern: Naturromantik pur! Diese erfrischende Natur wollte man uns auf unserer Toilette auch nicht verwehren. Und so wächst ein Guavenbaum durch ein Loch in der Decke zu uns herein. Wunderschön!

Aber wir müssen gar nicht auf Toilette gehen, um Guaven zu essen. Guaven gibt es hier nämlich überall und sie sind neben Reis schon zu einem Grundnahrungsmittel geworden. Aber viel Hunger kann man bei diesen Temperaturen kaum haben. In der letzten Woche hatten wir nämlich täglich über 40 Grad Celsius im Schatten. In der Sonne sind es sogar über 50 Grad. Bei der Windstille hier ist es also schnell kuschelig. 

Ich habe jetzt seit einem Monat nicht mehr wirklich gefroren. Selbst nicht wenn ich im Fluss stehe und meine Sachen wasche und danach nass herumstehe. Wir haben nämlich kein fließendes Wasser hier. Ich wasche meine Sachen und mich also im Fluss oder unter der Handpumpe im Dorf. Unser Trinkwasser holen wir auch in Eimern von der Handpumpe und kochen es auf unseren Gasherd ab. 

Wir haben aber immerhin Strom. An Internet ist jedoch nicht zu denken. Alle hier sind also ständig offline. Soziale Netzwerke gibt es aber trotzdem. Der Trick besteht darin, einfach direkt mit Menschen zu reden, anstatt zu chatten. Niemand hängt vor Facebook fest und liest sich irgendwelche Weltverschwörungstheorien durch. Hier gehen die Leute raus und spielen Volleyball anstatt Candy Crush Saga. Ich weiß, dass das vielleicht verrückt klingt, aber so absurd läuft das hier ab!

Die Freundschaftsanfragen werden einfach direkt per Handschlag gestellt und man bekommt seine Hand auch wirklich nicht wieder, bevor man sein Gegenüber nicht mindestens einmal als Freund bezeichnet hat. Denn hier sind alle stark motiviert, Freundschaften zu schließen. Ich werde umarmt, an die Hand genommen, festgehalten und mir wird bei Allem geholfen. 

Diese zum Teil übertriebene Hilfskultur trieb ein Dorfbewohner beim Kleiderwaschen im Fluss auf die Spitze. Er wollte unbedingt mein T-Shirt waschen und dagegen hatte ich auch nichts einzuwenden. So legte er also mit unglaublichen Elan los. Doch im Wahn seiner Hilfsbereitschaft versuchte er Teile des T-Shirts weiß zu bekommen, die niemals weiß waren. Das alles artete in einem Kampf zwischen ihm und den T-Shirt aus umhüllt von Wogen aus Schaum. Ich kann im Nachhinein nicht mehr sagen, ob der Schaum von der Seife oder aus seinem Mund kam. Aber nachdem dieser Hochleistungswäscher mein T-Shirt 25min malträtiert hatte, konnte ich es ihm entringen. Und tatsächlich war mein T-Shirt noch nie so sauber gewesen. Ganz unbeschadet war es allerdings nicht. Teile des Aufdrucks waren nach den aggressiven Waschattacken verschwunden und der Stoff war merklich dünner geworden. Naja gut, bei den hohen Temperaturen hier ist ein dünnes T-Shirt ja nie schlecht. Aber das nächste mal wasche ich dann doch lieber alleine. 

Nach zwei heißen aber eigentlich wunderschönen Wochen ist unsere Zeit in Mastiput jetzt aber wieder vorbei. Wir haben täglich Englischunterricht in der Kirche für die Dorkinder gegeben, Fußballtore aus Bambus gebaut und zwei Mangobäume gepflanzt. Außerdem haben wir bei den Vorbereitungen für eine Hochzeit geholfen und ich bin jetzt gerade dabei das Hochzeitsvideo zu schneiden. Die meiste Zeit konnte man aber nur lethargisch herumliegen. Es war einfach zu heiß für Weißhäute wie uns. 

Doch einen besonderen Höhepunkt gab es noch. Als die Büffel abends zurück ins Dorf getrieben wurden, erkannten wir einen Büffel, der die gleiche Frisur hatte wie Donald Trump. Vielleicht lässt sich im Stammbaum des amerikanischen Präsidentschaftsanwärters ja tatsächlich Nutztier finden. Das würde nicht nur die äußerlichen Ähnlichkeiten, sondern auch das Benehmen von Trump erklären. Vielleicht überdenkt er dann ja seine Politik einmal, wenn er herausfindet, dass er Verwandtschaft in Indien hat. Wir können es nur hoffen.

  

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